Jede Art von Wissenserwerb erfordert Übungspraxis. Dies gilt für alle Schulformen und für Schüler jeden Alters. Da der hohe Stellenwert des Übens in den Schulen immer wieder aufgezeigt wird und auch der Übungsanteil in den Schulstunden erheblich ist, stellt sich zwangsläufig die Frage, wieso also das Üben bei so vielen Schülern nicht zum Erfolg und zur erhofften Leistungssteigerung führt.

Der Grund für dieses Problem liegt in der Annahme, dass der Mangel quantitativer Übungsanteile als Ursache für dieses Defizit angenommen wird. Die Folge für den Unterricht waren in der Vergangenheit Übungsformen, die Primärbestandteil einer Unterrichtsreihe waren. Als Konsequenz der intensiv betriebenen Übungsreihen zeigt sich, dass eine zu frühe Mechanisierung zu den bekannten Lernschwächen geführt hat, da sie zu wenig Anteile von Denk- und Verstehensprozessen ermöglicht. Eben diese nicht gewollte Mechanisierung ist das zwangsläufige und sicherlich kritisch zu betrachtende Ergebnis eines zu hohen Übungsanteils im Unterricht. Ein Beispiel: Lange Zeit wurde angenommen, dass es im Mathematikunterricht nichts zu verstehen gäbe. Leistungsdefizite wurden auf unzureichende Übung zurückgeführt. Das fehlende Verständnis der Schüler, das durch gesteigerte Übungspraxis nicht gewonnen werden kann, zeigte, dass schwerwiegende Lernschwächen nicht allein durch ein Mehr an Übung kompensiert werden können. Die Schüler haben die Inhalte nicht wirklich verstanden und vergessen die auswendig gelernten mechanischen Schritte sehr schnell wieder. Abhilfe schaffen können hier verschiedene Instrumente des Selbstmanagements, wie zum Beispiel Portfolio-Arbeiten. Versuche zeigten, dass neben positiven Auswirkungen auf das Lernklima auch die Schülermotivation nachhaltig gesteigert werden kann.